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WEISSER MAULBEERBAUM

Moabiter Baumgeschichten

Hallo Du, hallo Mensch! Ich bin der weiße Maulbeerbaum.
 
Komm gerne näher und schau mich an.
Du darfst mich auch anfassen - meinen Stamm und meine Blätter.
 
Als Maulbeerbaum trage ich im Frühling Blüten und im Sommer Früchte. Kannst Du Blüten oder sogar reife Früchte sehen?
Lass Dir Zeit, beobachte mich, fühle mich - und wenn es die richtige Zeit ist - nasche gerne von meinen Früchten, wie es auch die Vögel gerne tun. Und keine Angst, meine Früchte sind nicht nur lecker, sondern auch gesund und voller Vitamine! Aber bedenke, dass der süße Saft auch sehr gut Finger und Klamotten färbt.
 

Ich möchte Dir gerne etwas über mich und meine Geschichte erzählen.
 
Wenn Du möchtest, mach es Dir gemütlich und nutze meinen Schatten.
 
Schön, dass Du da bist.
 
Ich bin ungefähr 20 Jahre alt und damit noch recht jung für einen Baum. Ich habe einen Verwandten, der ist fast 1.000 Jahre alt!
 
Ich hingegen habe erst vor ungefähr 10 Jahren meinen Abschluss an der Baumschule gemacht und wurde dann hier, an diesen Ort im Moabiter Stadtgarten, gebracht. Das war erst einmal ein kleiner Schock. Aber immerhin - endlich konnte ich meine Wurzeln wieder tief in den Boden wachsen lassen und wurde nicht mehr durch einen Topf eingeengt. Auch staunte ich nicht schlecht: Wie in der Baumschule war ich auch hier von sehr jungen Pflanzen umgeben.
 
Der Boden, dem ich meine Nährstoffe entnehme und über den ich mit all den anderen Bäumen, Pilzen und kleinsten Lebewesen kommuniziere, verrät mir, dass hier nicht immer schon ein schöner Park existiert. Im Jahr 2012 entstand der Moabiter Stadtgarten erst durch Menschenhand, der Boden ist aber noch voll mit Schutt und alten Überresten eines riesigen Güterbahnhofs. Schau’ Dich mal um; Du wirst hier viele Hinweise finden, dass hier früher weit und breit nur Bahnschienen lagen. Und das Gebäude da neben mir, das heute das Zentrum für Kunst und Urbanistik ist, wurde früher mal als Güterbahnhof genutzt..
 
Aber nun zurück zu mir:
Ich möchte von meiner großen Familie erzählen: Wir sind an die 20 Geschwister bzw. Arten, die über die ganze Welt verteilt sind. Wir alle teilen uns den gleichen Familiennamen: Morus.
 
Mein voller Name lautet: Morus alba. Diesen Namen haben natürlich ihr Menschen uns gegeben. Aber ich finde, das ist sehr passend: Alba ist Latein und heißt übersetzt “weißes Gewand” oder “Festtagskleid”. Im Frühling bilde ich nämlich ein weißes Blütenkleid. Und auch meine Früchte sind weiß. Erstmal! Später im Sommer werden sie dann purpur bis schwarz. Dann kommen gerne Vögel, Insekten und auch ihr Menschen vorbei, um meine süßen Früchte zu naschen.
 
Und wusstest Du, dass wir nicht nur für unsere Maulbeeren geschätzt werden?
Insbesondere früher in Asien, wo ich ursprünglich herkomme, wurden meine Verwandten wie verrückt kultiviert. Das liegt daran, dass die Seidenraupe unsere Blätter unglaublich lecker findet. Diese besonderen Raupen wickeln sich dann, hier zwischen den Ästen, in ihren Seidenfaden ein und verpuppen sich. Aus dieser Seide, kann ein Garn gesponnen werden, aus dem wunderbare Seidenstoffe entstehen.
 
Und noch etwas: Meine Blätter und Rinde wurden früher genutzt, um Heilmittel gegen Erkältungen und Entzündungen für Euch Menschen herzustellen. Toll, oder?
 
Jetzt habe ich aber genug geredet – für einen Baum.
 
Danke, dass du mir zugehört hast.
 
Vielleicht denkst Du ab und zu an mich und kommst mich besuchen, meine Früchte ernten, oder einfach entspannen -  und schenkst mir etwas Wasser, wenn es mal wieder sehr trocken ist.
 
Bleib noch so lange Du magst und fühl Dich wohl.