Newsletter 98 // December 2023

Was für ein Jahr! Mag zwar jeder aktuelle Jahresendbrief oder Dezembernewsletter so beginnen, aber es ist wirklich unbestreitbar: 2023 war auf allen Ebenen anspruchsvoll.

Die vergangenen zwölf Monate haben uns vor zahlreiche Herausforderungen gestellt. Kriege und weltweite Krisen, ebenso wie Konflikte und Missstände in Deutschland und Berlin, waren teilweise sehr nah an unserem Haus, unserer Arbeit und der persönlichen Realität unserer Residents und Teammitglieder. Mitten in diesen Herausforderungen haben wir als Team versucht, bestmöglich der Ort zu sein, den wir für unsere Artists in Residence, Projekte und Projektpartner:innen, Besucher:innen, aber vor allem auch für uns selbst erschaffen möchten und gleichzeitig einen Weg zu finden, die richtigen Töne in den entscheidenden Momenten zu treffen. Dies erforderte nicht nur Sensibilität, sondern auch die Fähigkeit, in einem großen und vielfältigen Haus den optimalen Ausgleich zu finden. Beim Rückblick auf das Jahr möchten wir diese Zeilen nutzen, um die gemeinsamen Augenblicke zu feiern – Momente des Zusammenkommens, des Austauschs und der Vielfalt.

Neben unserem Open-Studio-Format OPENHAUS, bei dem unsere Residents alle zwei Monate Einblicke in ihre aktuelle Arbeit gewähren, durften wir im Sommer im ZK/U mit zahlreichen (Gast-) Formaten Besucher:innen willkommen heißen. MOHA präsentierte im Mai "Who Cares?", im Juni waren Kollektiv Untergang, Poets Corner und Cilens mit dem Speisekino Berlin x Chengdu zu Gast. Wir erinnern uns auch gerne an unser kleines Sommerfest mit Programmwerkstatt. Im Juli fanden im Rahmen unseres Projekts "Take Care" mehrere “Urban Care Picknicks” statt, unter anderem mit den Kollektiven Maintenance is not a Metaphor und Black Earth. Andrea Goetzke war im August und September mit ihrer Reihe "Rehearsing Moves on Hazy Paths" zu Gast. Anfang September haben wir beim ZK/U Biotop gemeinsam mit allen Interessierten das zukünftige Programm im ZK/U ab 2024 gestaltet, und das Oyoun war eine Woche zu Besuch mit "Tiny Oyounity". Als kleinen Sommerabschluss veranstalteten Apsilon und Wa22ermann ein beeindruckendes Konzert – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön auch an unsere Nachbarschaft für ihre Toleranz gegenüber der Lautstärke.

In unserer Residenz können wir ebenfalls auf sowohl bereichernde individuelle Residenzen als auch wegweisende Kooperationen zurückblicken, um nur einige hervorzuheben: die "Detroit/Berlin" und "Accra/Berlin" Residencies mit musicboard, "Lagos-Berlin" mit dem Goethe-Institut Nigeria und Savvy Contemporary, das "MusArt"-Stipendienprogramm mit der Universität Hamburg und der Emmy Noether Forschungsgruppe, "AI Anarchies" mit der Akademie der Künste und "TURN2" mit der Kulturstiftung des Bundes, sowie die Zusammenarbeit mit der Martin Roth-Initiative. An dieser Stelle möchten wir auch auf unseren aktuellen OPEN CALL hinweisen, zu dem sich an späterer Stelle nochmal mehr Informationen finden.

Auch außerhalb unseres Hauses ist einiges passiert: Im Frühjahr haben wir zusammen mit DKCincel einen öffentlichen Raum in Banja Luka zurückerobert. Im Sommer wurde ein Platz in Eisenhüttenstadt besetzt und gleichzeitig startete das Projekt Active CITY(zens) in Prag und Skopje, welches im Sommer 2024 dann bei uns in Berlin auf der neuen Dachterrasse, unserer Urbanen Bühne, fortgesetzt wird.

Während all dieser Projekte stand die Zukunft des ZK/U zwischenzeitlich auf dem Spiel, nachdem im Spätsommer bekannt wurde, dass die in Perspektive und Entwicklung befindliche Konzeptförderung für bildende Kunst ersatzlos gestrichen wurde. Nach Monaten intensiver Gespräche und dank grandioser Unterstützung aus Kunst, Kultur, Nachbarschaft und Politik können wir nun glücklicherweise Aufatmen und unseren Dank an alle aussprechen, unsere Finanzierung wurde für den nächsten Doppelhaushalt gesichert. Das ZK/U war und ist mit dieser Herausforderung nicht allein: Über die Projektraumförderung wurde in Berlin eine einzigartige Vielfalt von künstlerischen Räumen aufgebaut, die weltweit ihresgleichen sucht. Einige Projekte konnten ihre Arbeit fortsetzen, Räume langfristig sichern und personell weiterentwickeln. Sie befinden sich nun in einer Phase ihrer Entwicklung, für die es in der Berliner Förderlandschaft kein Instrument gibt. Wir sind der Meinung, dass Berlin dringend ein Förderinstrument für junge Häuser der bildenden Kunst benötigt.

Der bereits jetzt eklatante Mangel an Spielstätten und Präsentationsräumen wird uns täglich durch Anfragen freier Gruppen vor Augen geführt. Ohne Förderung junger Häuser wird dieser Mangel weiter verschärft. Das wachsende Berlin wird seiner Bedeutung als junge und innovative Kulturmetropole ohne diese Spielstätten langfristig nicht gerecht. Wir appellieren an die Politik, diesen jungen Häusern der bildenden Kunst eine Perspektive zu bieten und diesen einzigartigen Orten der gesellschaftlichen Vielfalt eine Finanzierung in Aussicht zu stellen, die über Preise und Projektförderung hinausgeht. Und das liest sich doch fast wie ein Neujahrsvorsatz. 

In diesem Sinne wünschen wir einen tollen Jahresausklang und blicken vorfreudig ins Jahr 2024, wer gerade einen Kalender zur Hand hat, kann sich schon mal mit Bleistift September 2024 eintragen: Wir haben ein Haus zu eröffnen!

 

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What a year! While it may sound like the beginning of every year-end letter or December newsletter, it is truly undeniable: 2023 was challenging on all levels. The past twelve months have presented us with numerous challenges.

Wars and global crises, as well as conflicts and issues in Germany and Berlin, were at times very close to our home, our work, and the personal reality of our residents and team members. In the midst of these challenges, as a team, we endeavored to be the best possible space for our artists in residence, projects, and project partners, as well as for visitors, and, most importantly, for ourselves. Simultaneously, we sought to find the right tones in crucial moments. This required not only sensitivity but also the ability to strike the optimal balance in a large and diverse house. Looking back on the year, we want to use these lines to celebrate shared moments – moments of coming together, exchange, and diversity.

In addition to our Open Studio format, OPENHAUS, where our residents provide insights into their current work every two months, we had the pleasure of welcoming visitors to ZK/U in the summer with numerous (guest) formats. In May, MOHA presented "Who Cares?"; in June, Kollektiv Untergang and Poets Corner where guests, and Cilens presented Speisekino Berlin x Chengdu. We also fondly remember our small Sommerfest with Programmwerkstatt. In July, as part of our project "Take Care", several "Urban Care Picknicks" took place, including collaborations with the collectives Maintenance is not a Metaphor and Black Earth. Andrea Goetzke was a guest in August and September with her series "Rehearsing Moves on Hazy Paths". In early September, we, together with everyone interested, shaped the future program at ZK/U from 2024 onwards during ZK/U Biotop, and Oyoun visited for a week with "Tiny Oyounity". As a small summer conclusion, Apsilon and Wa22ermann organized an impressive concert – a heartfelt thank you to our neighbors for their tolerance of the noise.

In our residency, we can also look back on enriching individual residencies and groundbreaking collaborations, to name just a few: the "Detroit/Berlin" and "Accra/Berlin" residencies with Musicboard, "Lagos-Berlin" with the Goethe-Institut Nigeria and Savvy Contemporary, the "MusArt" scholarship program with the University of Hamburg and the Emmy Noether Research Group, "AI Anarchies" with the Akademie der Künste, and "TURN2" with the Cultural Foundation of the Federal Republic of Germany, as well as collaboration with the Martin Roth Initiative. At this point, we would like to draw attention to our current OPEN CALL, for which more information will be available later.

A lot has happened outside our house as well: in spring, together with DKCincel, we reclaimed a public space in Banja Luka. In summer, a square in Eisenhüttenstadt was occupied, and at the same time, the project "Active CITY(zens)" started in Prague and Skopje, which will continue in the summer of 2024 on our new rooftop, our Urban Stage, here in Berlin.

During all these projects, the future of ZK/U was momentarily at stake after it was announced in late summer that the concept funding for visual arts in development and perspective was being cut without a replacement. After months of intense discussions and thanks to tremendous support from the arts, culture, neighborhood, and politics, we can now thankfully breathe a sigh of relief and express our gratitude to all. Our funding has been secured for the next biennial budget.

ZK/U was and is not alone in facing this challenge: through project space funding in Berlin, a unique diversity of artistic spaces has been established that is unparalleled worldwide. Some projects were able to continue their work, secure spaces in the long term, and develop personnel. They are now in a phase of development for which there is no instrument in Berlin's funding landscape. We believe that Berlin urgently needs a funding instrument for young visual arts spaces. The already significant lack of venues and presentation spaces is brought to our attention daily by inquiries from independent groups. Without support for young spaces, this shortage will only worsen. Growing Berlin does not do justice to its role as a young and innovative cultural metropolis without these venues in the long run. We appeal to the politicians to provide a perspective for these young visual arts spaces and to offer funding to these unique places of social diversity that goes beyond awards and project funding. And that almost sounds like a New Year's resolution.

In this spirit, we wish you a wonderful year-end and eagerly look forward to 2024. For those with a calendar handy, pencil in September 2024 – we have a house to open!

Neues von der ZK/U Baustelle // News from the ZK/U construction site

Beim Schreiben dieses Newsletters haben wir kurz in die letzte Ausgabe geguckt und können voller Stolz und frei von jediglicher Ironie verkünden: Die Glasfassade des Hauses ist endlich angebracht. Gut Ding hat auf unserer Baustelle auf jeden Fall Weile, und während der Innenausbau des neuen Gebäudeteils in Wallungen kommt und Bürostuhlangebote verglichen werden, träumen wir schon von einem offenen Haus im Sommer 2024...

Gefördert durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Berlin im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, Programm Sozialer Zusammenhalt.

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While writing this newsletter, we took a brief look at the last edition and can proudly and without any irony announce: The glass facade of the building has finally been installed. Good things definitely take time on our construction site, and as the interior work of the new building section is in full swing and office chair offers are being compared, we are already dreaming of an open house in the summer of 2024...

Supported by the European Union, the Federal Republic of Germany and the State of Berlin as part of the Future Initiative District (Zukunftsinitiative Stadtteil), Social Cohesion Program (Programm Sozialer Zusammenhalt).

ZK/U OPEN CALL

Bis zum 18. Januar haben Künstler:innen, Forscher:innen und Aktivist:innen, deren Arbeit oder Ansatz sich mit der Dynamik und den Erfahrungen der Stadt auseinandersetzt, die Möglichkeit, sich für unseren OPEN CALL zu bewerben. Das ZK/U Residenzprogramm freut sich über Bewerbungen mit Projektvorschlägen, die eine konzeptuelle, kontextuelle und interventionistische zeitgenössische künstlerische Position repräsentieren oder als Forschung bzw. Experiment in den Bereichen Urbanismus, Geografie, Anthropologie, Architektur und Geisteswissenschaften konzipiert sind.

Mehr Informationen und Bewerbung via: www.zku-berlin.org/de/open-call/

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Until January 18, artists, researchers, and activists whose work or approach engages with the dynamics and experiences of the city have the opportunity to apply for our OPEN CALL. The ZK/U Residency Program welcomes applications with project proposals that represent a conceptual, contextual, and interventionist contemporary artistic position or are conceived as research or experimentation in the fields of urbanism, geography, anthropology, architecture, and the humanities.

More information and application via: www.zku-berlin.org/en/open-call/

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Das Auge isst bekanntlich mit, und wir freuen uns, hier eine Auswahl an großartigen Videoproduktionen zu teilen, die im Laufe des Jahres mit und am ZK/U entstanden sind.

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The eye is known to eat along, and we are pleased to share here a selection of fantastic video productions that were created throughout the year in connection with and at ZK/U.