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ZK/U - fact-finding committee #01 green commons -

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ZK/U Untersuchungsausschuss zu gemeinwohlorientierten Organisationsformen für die Berliner urbanen Gärten

Berlin gilt als Hauptstadt der urbanen Gärten. Doch viele dieser Gärten sind prekäre Zwischennutzungen. In einem dreimonatigen „Untersuchungsausschuss“ am ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik greifen wir die von der gegenwärtigen Koalition in Aussicht gestellte gesamtstädtische Planung für interkulturelle und urbane Gärten auf und gehen den Fragen nach: Können wir das Grün von unten dauerhaft sichern und gemeinwohlorientiert organisieren, oder müssen die Gärten dem Bagger weichen? 

Der Untersuchungsausschuss am ZK/U

Das ZK/U ist seit 2012 hat in einem 40jährigen Erbbaurechtsvertrag eine ehemaligen Güterbahnhof in Moabit übernommen und zu einem Raum für künstlerische Residencies, Wissensvermittlung und stadtpolitische Diskussionen auf dem Gelände gemacht. Im Rahmen der Vereinbarung mit dem Bezirk hat das ZK/U auch die Sorge für eine öffentlich zugängliche Parkfläche übernommen. Der Bürger im Stefanskiez e.V. betreut einen Gemeinschaftsgarten auf der Fläche.

Im Rahmen des vom ZK/U initiierten Berliner Untersuchungsausschuss (UA) sollen lokale Diskurse mit den globalen Praxen der internationalen Residenten verknüpfen werden. Dafür richtet das ZK/U eine Serie nichtständiger Ausschüsse zur Untersuchung von stadtgesellschaftlichen Berliner Sachverhalten ein, deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegen. Im Rahmen des Untersuchungsausschusses „Gemeingut Grün“ wurden Marco Clausen und Kerstin Meyer eingeladen diesen Prozess zu organisieren, in dem unterschiedliche Akteure, Initiativen und Forschende in die Frage nach einer gemeinwohlorientierten Organisationsform des Berliner Grüns eingebunden werden. Zwei Künstler*innen werden eigenständige Beiträge zum Thema des UA entwickeln. Die Ergebnisse des Ausschusses werden am 27. September 2018 in einem Ausschussbericht beim OPENHAUS+ veröffentlicht.

Der Untersuchungsausschuss zum „Gemeingut Grün“

Zwischen Juli und September 2018 werden Marco Clausen (Prinzessinnengarten/Nachbarschaftsakademie) und Kerstin Meyer (100% THF, Volksentscheid Retten) einen ersten Untersuchungsausschuss zum Thema gemeinwohlorientierte Organisation des Berliner Grüns durchführen.

Alle Interessieren sind eingeladen, sich aktiv in den Untersuchungsausschuss einzubringen und sich an den regelmäßige Arbeitsgruppentreffen zu beteiligen.

Bei Interesse bitte eine Mail schicken an: ua-gruen@zku-berlin.org

Hintergrund: Urbane Gärten zwischen Hype und Verdrängung

In den letzten zwei Jahrzehnten sind knapp 200 interkulturelle- und Gemeinschaftsgärten entstanden. Urbane Gärten sind nicht nur Liebling der Medien, sondern werden auch immer wieder von der Berliner Politik als Beispiel einer partizipativen, sozial- und ökologischen Stadtentwicklung von Unten herangezogen. Sie gelten inzwischen als unverzichtbarer Teil einer lebenswerten, lebendigen, inklusiven und zukunftsfähigen Stadt. Gleichzeitig aber bleibt ihr Status prekär. Schon 2014 hat das von über 150 Initiativen in ganz Deutschland unterzeichnete Urban Gardening Manifest „Die Stadt ist unser Garten“ festgestellt, dass der rechtliche Status vieler Gärten nach wie vor prekär und ihr Fortbestand häufig nicht gesichert sichert ist. Daran hat sich in der letzten Jahren nichts geändert, im Gegenteil. Nachverdichtung, Privatisierung und Spekulation - das allseits vernehmbare „bauen, bauen, bauen“ - setzen das städtische Grün weiter unter Druck. Kleingärten, urbane Gärten, Brachflächen und Friedhöfe weichen dem Bagger. Die Zeit der Zwischennutzung, lange als erfolgreiche Strategien der Teilhabe an der Gestaltung von Stadt gefeiert, scheint endgültig vorbei. Ausgehend von dieser Situation hatte das Urban Gardening Manifest von Politik und Planung gefordert: die Bedeutung von Gemeinschaftsgärten anzuerkennen, ihre Position zu stärken, sie ins Bau- und Planungsrecht zu integrieren und einen Paradigmenwechsel hin zu einer „gartengerechten“ Stadt einzuleiten. Doch aus Sicht der Verwaltung gelten von den Menschen selbst organisierte Grünräume nach wie vor als Formen der Privatisierung. Statt ihre Rolle für das Gemeinwohl zu würdigen - Teilhabe, Freiraum, Biodiversität, Inklusion, Naturerfahrung, Bildung, Klimaanpassung, Ernährungssouveränität etc. - und sie als Teil der grünen und sozialen Infrastruktur zu schützen und zu fördern, werden sie als Partikularinteresse verstanden. Doch die Berliner*innen hängen an ihren grünen Freiräume, das hat spektakulär der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld gezeigt. Die rot-rot-grüne Koalition hat daher eine dauerhafte Sicherung der Grün-, Frei- und Naturflächen in Aussicht gestellt und im Koalitionsvertrag angekündigt: „zusammen mit den Akteur*innen der Gartenszene ein gesamtstädtisches Konzept für urbane und interkulturelle Gärten“ zu entwickeln.“1

Ziel des Untersuchungsausschusses zum Gemeingut Grün 

Im Untersuchungsausschuss „Gemeingut Grün“ gehen wir der Frage nach, wie im Rahmen eines gesamtstädtisches Konzept für urbane und interkulturelle Gärten gemeinwohlorientierte Organisationsformen entwickelt werden können, die das Grün dauerhaft sichern, seine sozialen und ökologischen Funktionen stärken und demokratische Mitbestimmung ermöglichen. Dazu richten wir am ZK/U eine dreimonatige Ideenwerkstatt ein, führen Interviews, unternehmen Touren zu bedrohten und den beispielhaften Orten, laden künstlerische Positionen zum Thema ein und veröffentlichen die Ergebnisse des Ausschusses. Unser Motto bleibt der Leitspruch Gerda Münnichs - der im letzten Jahr verstorbenen „Mutter der Berliner urbanen und Interkulturellen Gärten“: „Ganz Berlin ein Garten!“ 

1 Der ganze Absatz lautet: „In Orientierung am vor mehr als 100 Jahren geschlossenen Dauerwaldvertrag und am existierenden Berliner Landschaftsprogramm strebt die Koalition einen Stadtvertrag zur dauerhaften Erhaltung wichtiger Grün-, Frei- und Naturflächen an. Wo wohnortnahe Grünflächen fehlen, sind durch den Ankauf oder die Umnutzung von Flächen neue Grünflächen zu schaffen und die Pflege abzusichern. Die Koalition richtet einen festen Ansprechpartner für Urban Gardening ein und entwickelt zusammen mit den Akteur*innen der Gartenszene ein gesamtstädtisches Konzept für urbane und interkulturelle Gärten. Berlin wird zur „Essbaren Stadt“. Berlin gemeinsam gestalten. Solidarisch. Nachhaltig. Weltoffen. Koalitionsvereinbarung zwischen SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN für die Legislaturperiode 2016-2021

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Green Commons Berlin ("Gemeingut Grün")

Fact-finding committee investigating organizational forms geared toward the public good for the urban gardens of Berlin.

Berlin is known as the capital of urban gardens. Many of these gardens, however, are but precarious in-between uses of available space. Over the next three months, the fact-finding committee ("Untersuchungsausschuss") at ZK/U will dissect the plans for intercultural and urban gardens proposed by the governing coalition, seeking to answer the question: Can we secure the green commons from the bottom up and organize them to serve the public good, or will they be bulldozed out of existence?

The Fact-Finding Committee at ZK/U

Armed with a 40-year leasehold contract, ZK/U took over a former train depot in Moabit and turned it into a space for artist residencies, knowledge transfer, and discussions on urban policy. As part of its usage agreement with the district, ZK/U must care for the public park that surrounds it. The "Bürger im Stephankiez e.V." society runs a community garden on the premises.

In the context of its work, the fact-finding committee will tie local discourse to global practices brought to ZK/U by its international artists-in-residence. For this purpose, ZK/U will establish a succession of temporary committees to investigate urban policy issues of interest to the general public. Marco Clausen and Kerstin Meyer will organize this process for fact-finding commission Green Commons, the first of its kind, which will bring together various actors, initiatives, and researchers in identifying organizational possibilities for Berlin's urban greens, guided by public interest. Two artists will develop individual contributions to the topic, and the fact-finding committee will present the results of its inquiry in a committee report at OPENHAUS+ in September of this year.

The Fact-Finding Committee on Green Commons ("Gemeingut Grün")

From July to September 2018, Marco Clausen (Prinzessinnengarten/Nachbarschaftsakademie) and Kerstin Meyer (100% THF, Volksentscheid Retten) will head up a committee on the topic of organizing Berlin's urban greens for the public good.

We welcome one and all to participate in the work of the committee and to take part in committee meetings at regular intervals. If interested, please send an email to: ua-gruen(at)zku-berlin.org.

Insight: Urban Gardens between Hype and Displacement

Over the last two decades, almost 200 intercultural and community gardens have sprung up all over the city. Urban gardens are not just a media favorite; municipal politicians like to refer to them as examples of participatory, social, and ecological development "from the bottom up." They are now widely regarded as essential elements of livable, vibrant, inclusive, and future oriented cities. Their precarious situation, however, has not changed - in 2014, more than 150 initiatives from all over Germany signed the urban gardening manifesto "The City Is Our Garden", which describes the current legal status of many gardens as temporary, their future as uncertain. Nothing has changed for the better in the years since; on the contrary, further densification, privatization, and speculation - the constant buzz of a "build, build, build" mantra - have increased the pressure on urban greens. Garden plots, urban gardens, fallows, and cemeteries continue to cede to bulldozers. The time of interim use solutions looks to have come to an end. Given this dire situation, the urban gardening manifesto called on policy makers and planners to acknowledge the importance of community gardens, to strengthen their position and to write them into construction and planning legislation, leading the way toward a new "garden-friendly" city paradigm. Regardless, greening and gardening projects established through community initiative remain privatization efforts in the eyes of the administration. Instead of recognizing how they contribute to overall community welfare - by fostering participation, open spaces, biodiversity, inclusion, interaction with nature, education, climate adjustments, food sovereignty, and so on - and protecting and nurturing them as part of the natural and social infrastructure of the city, they continue to be understood as items of personal interest. Berliners, however, are greatly attached to their green spaces, a point driven home by the impressive results of the referendum to keep Tempelhofer Feld undeveloped and open. The governing coalition has taken up the issue in its contract, stating its intention to "develop a city-wide concept for urban and cultural gardens in collaboration with actors and activists from the gardening scene."1

Objectives of the Fact-Finding Committee on Green Commons

The Fact-Finding Committee on Green Commons will investigate how a city-wide concept for urban and intercultural gardens can be developed to include organizational formats geared toward the public good, that secure the future of the green commons while strengthening its social and ecological functions and possibilities for democratic participation. For this purpose, we will establish an "idea factory" at ZK/U for a period of three months, conduct interviews, organize tours of exemplary and endangered sites, invite artistic contributions on the topic, and, finally, publish the results of our inquiry. Our motto, echoing the words of Gerda Münnich, "mother of Berlin's urban and intercultural gardens", is simply this: "Ganz Berlin ein Garten!" ("All of Berlin, a garden!").

1 The paragraph reads in full: "Informed by the tenure treaty to protect the Berlin forests - signed over 100 years ago - as well as the current landscaping program for Berlin, the coalition seeks to draw up a municipal contract for the preservation of important green, open, and natural spaces. In areas devoid of such spaces, new green and open spaces are to be established and their conservation secured. The coalition shall appoint a permanent contact person for urban gardening and develop a city-wide concept for urban and cultural gardens in collaboration with actors from the gardening scene. Berlin shall become an "edible city." Shaping Berlin together - in solidarity, sustainably, to be truly cosmopolitan." Coalition contract signed by SPD, DIE LINKE, and BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN for the legislative period of 2016-2021.