Under a Blue Sun

FOOD & FOOTAGE – Independent Filme in Kombination mit Essen
14 OKTOBER 2026 / ab 18:30
ZK/U BerlinSiemensstr. 27, 10551, Berlin, Germany
Während das Kino Requisiten braucht, setzt der Krieg Waffen ein; während der Krieg Soldaten einsetzt, engagiert das Kino Statisten. Für das eine ist die Wüste ein Drehort, für das andere ein Kriegsgebiet. Doch in beiden Fällen dient die Wüste allzu oft als koloniale Bühne für Spektakel. Ein Beispiel dafür ist „Rambo III“, der 1986 in der Negev-/Naqab-Wüste gedreht wurde, um Afghanistan nachzustellen. Das israelische Militär war ein wichtiger Kooperationspartner und stellte der Filmproduktion Waffen als Requisiten, Soldaten als Statisten und militarisierte Gebiete als weitläufige Wüstenkulissen zur Verfügung.
In den 1980er Jahren wurde der palästinensische Beduinenkünstler Bashir Abu Rabia beauftragt, Spezialeffekte für „Rambo III“ zu gestalten. Heute kehrt Bashir zu den Drehorten in der Wüste zurück, wo er materielle Überreste und Trümmer findet, die im Sand zurückgelassen wurden. Vor dem stummen und körnigen Wüstenhintergrund sieht Bashir die Naqab-Wüste im Süden Israels/Palästinas und ein Zeugnis seines enteigneten Stammeslandes. Sobald die Einzelbilder des Films „Rambo“ zerlegt und neu angeordnet werden, können sie Licht auf ausgelöschte Leben und auf intime Beziehungen zum Land werfen.
Under a Blue Sun erzählt, wie Wüstengebiete in Israel/Palästina in militärische Übungsgebiete umgewandelt und als Drehorte für Actionfilme mit großem Budget genutzt wurden. Es geht um die Vorstellungswelten, die auf die Oberfläche des Wüstenlandes projiziert werden, und um die Möglichkeit, einen „Rambo“ für Palästina zu finden.
Under a Blue Sun
von Daniel Mann
80'00''
Frankreich, 2024
Hebräisch, Englisch, Arabisch mit englischen Untertiteln
Diese Ausgabe von FOOD & FOOTAGE wird von Hadas Kedar im Rahmen des Projekts Learning from the Desert kuratiert. Nach der Vorführung schließt sich eine gemeinsame Diskussion mit dem Filmemacher Daniel Mann an.
Daniel Mann ist ein in London lebender Filmemacher und Autor, dessen Arbeit sich mit Bildern und Vorstellungswelten von Land und Umwelt auseinandersetzt, oft im Zusammenhang mit kolonialer und neokolonialer Politik, militärischer Besatzung und Rohstoffabbau. Manns Filme wurden auf zahlreichen Festivals und in vielen Institutionen gezeigt und ausgezeichnet, darunter die Berlinale, Visions du Réel, das Rotterdamer Filmfestival, Cinéma du Réel, die Documenta Madrid, Karlovy Vary, DOC NYC, IDFA, das Hong Kong Film Festival und das ICA in London. Sein jüngster Film, The Recce, feierte auf der Berlinale 2026 Premiere und wurde auf der Documenta Madrid mit dem Fugas-Preis ausgezeichnet.
Manns erste Monografie, Occupying Habits: Media as Warfare in Israel/Palestine (Bloomsbury und SOAS Palestine Centre, 2023), untersucht Darstellungen kolonialer Gewalt im Westjordanland, Palästina. Seine zweite Monografie, Hot Locations: Cinema on the Planetary Frontier (erscheint demnächst bei der University of California Press, 2027), untersucht die Wüste als eine charakteristische, ressourcenextrahierende Formation im Kino: eine Umgebung, die sowohl als Kriegsgebiet als auch als außerirdische Welt inszeniert, eingefangen, dargestellt und verbreitet wird. Mann war Fellow für Geistes- und Sozialwissenschaften an der Queen Mary University of London, Leverhulme Early Career Fellow am King’s College London und Fellow bei der Camargo Foundation.
Samar Abu-Fraiha wird das begleitende Menü rund um die traditionelle Küche der Beduinen zusammenstellen.
Die Filmvorführung ist kostenlos; der Kauf eines Abendessens ist keine Voraussetzung für die Teilnahme am Filmabend.
Der Preis für das Menü beträgt 15 Euro pro Person (Getränke nicht inbegriffen).
Einlass: 18:30
Abendessen: 19:00. Das Dinner wird gemeinsam am Tisch eingenommen und beginnt mit einer kurzen Performance. Bitte pünktlich ankommen.
Filmbeginn: 20:00
