PLANT STORIES #5: THRESHOLDS OF ENGINEERED LIFE

Installation von Vanessa Amoah Opoku
30 & 31 AUGUST 2025
In tropischen Gewächshäusern lenkt das üppige Blattwerk oft von den versteckten Systemen ab, die dieses künstliche Überleben ermöglichen. In ihrer neuen Arbeit Thresholds of Engineered Life richtet Vanessa Amoah Opoku ihren Blick und ihr Ohr auf die unterirdisch kriechenden Rohre, die zischenden Sprühnebel und die blinkenden Sensoren – technische Infrastrukturen, die die Kontrollmechanismen offenbaren, die Arten fernab ihrer ursprünglichen Lebensräume am Leben erhalten. Viele dieser Pflanzen wurden während kolonialer Expeditionen gesammelt, nach Europa transportiert und nun unter Glas konserviert. Das Gewächshaus wird zu einer Metapher für fortwährende Ausbeutung, die das Überleben orchestriert und Natur als Spektakel inszeniert.
Um diese Räume einzufangen, verwendet Opoku Mess-Werkzeuge, die tausende von Punkten über Oberflächen hinweg sammeln. Historisch gesehen wurden mit solchen Methoden Territorien beansprucht, Ressourcen ausgebeutet und Herrschaft durchgesetzt. Heute sind sie nach wie vor Teil von Überwachungssystemen und der extraktiven digitalen Wirtschaft. Stattdessen nutzt Opoku sie, um Kontrollmechanismen aufzudecken. Mittels einer Rendering-Technik verwandelt sie jeden gemessenen Punkt in ein weiches, halbtransparentes Fragment, das sich der Teilnahme am extraktiven Sehen verweigert und die Illusion der objektiven Erfassung bricht. In der virtuellen Welt überwuchern die konservierten Pflanzen ihre Infrastruktur und kehren das Innere nach außen.
Eingefasst in gravierten Stahl, werden diese Bilder durch eine klangliche Transformation zum Leben erweckt, die auf Feldaufnahmen von mechanisierten Gewächshausumgebungen und der Sonifikation der gescannten Daten basiert. Während sich Punktwolken ansammeln und Pflanzen ihre Begrenzungen virtuell überwuchern, verwandeln sich die mechanische Orchestrierungen: Synthetische Frequenzen erblühen aus Koordinatendaten, algorithmische Rhythmen lösen sich in organischen Texturen auf.
VANESSA AMOAH OPOKU ist eine deutsch-ghanaische interdisziplinäre Künstlerin, die mit ihrer relationalen Praxis des World Buildings und gemischten Realitäten Geschichte, Digitalität und marginalisierte Narrative untersucht. Sie hat ihre Werke unter anderem im Belvedere 21 Wien, in den Deichtorhallen Hamburg und im EIGEN+ART Lab Berlin ausgestellt und wurde kürzlich für den S+T+ARTS Prize 2025 nominiert. Sie unterrichtet unter anderem an der HGK Basel FHNW und lebt und arbeitet in Berlin und Basel.
Öffnungszeiten:
Samstag, 30 August / 14:00 – 22:00
Sonntag, 31 August / 14:00 – 20:00
Künstlerinnengespräch:
Samstag, 30 August / 20:00