Timeline

OPENHAUS November

© Eric Anderson, video still from "Someday Someone Will Help Me", 2019

ZK/U BerlinSiemensstr. 27, 10551, Berlin, Germany

Während des OPENHAUS, welches jeden zweiten Monat stattfindet, sind die Tore zur Residenz des ZK/U für die Öffentlichkeit geöffnet, die somit einen Einblick in die Arbeit unserer Residenzkünstler*innen erhalten können. Dabei stehen neben den künstlerischen Projekten vor allem der Diskurs und der rege Austausch zwischen den Künstler*innen und den Besuchenden im Fokus.

Für diese Ausgabe des OPENHAUS laden uns Klang- und Videoinstallationen auf eine Reise durch die persönlichen Erfahrungen unserer Residenzkünstler*innen und ihre Beziehungen zu ihren Heimatorten und Moabit. Ob durch persönliche Anarchiven oder Tonaufnahmen – das Publikum taucht in die intimen Begegnungen unserer Residenzkünstler*innen mit Moabit ein. Eine weitere Untersuchung des Kiezes, die diesen als interaktionellen Raum sieht, offenbart die Verbindungen zweier komplett unterschiedlicher Gruppen von Lebewesen: Menschen und roten Feuerteufeln, die dennoch dieselben Ressourcen teilen.  Zeugnisse der zeitnegössischen Frage der urbanen Transformation und Spekulation der nicht-menschlichen Arbeit, die Nutzung der Blockchain-Technologie, sowie die komplexen Beziehungen zwischen medialen Formen werden durch Installation und Malerei veräußerlicht. Schlussendlich werden Fragen rund um den Begriff des "starken Körpers" aufgeworfen, der dem Bedarf der kapitalistischen Gesellschaft für Leistung und Produktivität zugrunde liegt.

Außerdem ist Raviv Ganchrows Klanginstallation "Westhafen Ground-Electric", die derzeit im Keller des ZK/U stattfindet, während des OPENHAUS weiterhin geöffnet. 

 

Teilnehmende Künstler*innen:

Eric Andersson / Jorgen Doyle & Hannah Ekin / Nihaal Faizal / Fathia Mohidin / Stephanie Rothenberg / Marcos Vidal Font / Byungseo Yoo /

und Raviv Ganrchrow (singuhr e. V.)

Byungseo Yoo

Byungseo Yoo ist seit nunmehr einem Jahr beim ZK/U. Seit seiner Ankunft am 1. Dezember 2018 hat er täglich Musik aufgenommen. Sein Projekt "Ende" (2019) ist die Dokumentation davon.

Eric Andersson

Eric Andersson präsentiert beim OPENHAUS seine aktuelle Arbeit "Someday Someone Will Help Me" ("Eines Tages wird mir jemand helfen"), einem zweikanaligen Film aus dem Jahr 2019. Für sein Projekt probiert Eric mit ortsspezifischen Interaktionen den roten Feuerteufel Moabits näher zu kommen.

Fathia Mohidin

"Sweat & Moan" (Schweiß & Stöhnen) ist ein sich noch in der Arbeit befindendes Projekt von der Residenzkünstlerin Fathia Mohidin. Die Klanginstallation behandelt den starken Körper in der kapitalistischen Gesellschaft, in der hohe Produktivitäts- und Leistungsansprüche an den Körper gestellt werden. Fathia untersucht die Ähnlichkeiten zwischen den Strukturen eines Fitnessstudios und einer Fabrik: Die Bewegungsabläufe der Übungen sind aus der repetetiven Bewegungen der körperlichen Arbeit entsprungen, genau wie das mehrdeutige Trainingsgerät. 

Im Rahmen ihrer Recherchen nahm Fathia Klänge der Maschinen, der Gewichte und des Körpers im Fitnessstudio auf. Ähnlich wie das Trainingsgerät, bewegt der Klang den Körper zwischen Fitnessstudio, Arbeit, und Knechtschaft.

Diese Residenz wird ermöglicht durch das Royal Institute of Art, Stockholm.

Jorgen Doyle & Hannah Ekin

Hannah Ekin und Jorgen Doyle haben einen Vorschlag. Den "Vorschlag zur Auflösung von Insel G" (2019), welchen sie beim OPENHAUS November vorstellen werden.

Die Insel G ist menschgemacht und liegt in der Bucht von Jakarta. Seit der Bau der Insel im Jahr 2016 gestoppt wurde, sinkt die Insel langsam in die umgebenden Gewässer ab. Mangrovenpflanzen haben Wurzeln geworfen und auf der Insel sind Lagunen entstanden, die Wasservögeln Zuflucht bieten. Die Zukunft der Insel steht in den Sternen, da die Entwickler eine erneuerte Genehmigung für den Bau der Insel vorantreiben.

Das Projekt ist ein spekulative Vorschlag für die Nutzung von Smart-Contracts und Blockchain-Technologie, um die fortschreitende Auflösung der Insel zu fördern. Außerdem bietet das Projekt eine Grundlage für Forschungsprojekte, die der intensivierten Finanzialisierung der Natur der Hauptstadt und der ungleichen Effekte, die dies zwischen dem globalen Norden und Süden hervorruft.

 

Marcos Vidal Font

Das Ziel des Projekts von Marcos Vidal Font ist es, ein persönliches Anarchiv aus den spekulativen Fiktionen des Künstlers über seine Moabiter Nachbarschaft zu erzeugen. Diskruse geographischer, politischer und historischer Natur überwindend, die mit dem Kiez im Zusammenhang stehen, untersucht "Sensible Encounters" die Punkte der Synchronie zwischen dem öffentlich genutzten Raum und den eigenen Erwartungen des Künstlers. Das betrachtende Auge ist dazu eingeladen, die Objekte genau zu erkunden, die an verschiedenen Orten gesammelt wurden. Die Prints und Keramikgüsse sind dabei die Spuren des Abgeleiteten. Das Projekt findet im Dialog mit María Morata statt.

 

Diese Residenz wird unterstützt durch das Institut d'Etudis Balearics.

Nihaal Faizal

Nihaal Faizal präsentiert während des OPENHAUS zwei seiner Projekte. Sein künstlerisches Projekt "Shaktimaan SFX", vereint Zeichnungen von diversen visuellen Specialeffects, die in der berühmten Indischen TV-Serie "Shaktimaan" benutzt wurden. Ausgestrahlt zwischen 1997 und 2005 war "Shaktimaan" die erste Sendung, die in Indien produziert wurde und die sowohl einen Superhelden als auch ein gehöriges Maß an Specialeffects beinhaltete. Die inzwischen veralteten Effects der beliebten Sendung zeigen eine breite Diversität an symbolträchtigen Bildern. Dazu gehören Symbole der Bedrohung und Angst, Symbole des Hinduistischen Glaubens, Erscheinung und Verschwindung, sowie verschiedene Stadien materieller Transformation. In der Übertragung dieser Specialeffects per Durchdruck auf Papier, fungiert die Arbeit auch als Übersetzungsarbeit, die jedoch die Beziehungen zwischen den medialen Formen, dem Akt des Kopierens und der Repräsentation digitaler Entitäten erschweren.

Außerdem zeigt Nihaal Faizal die jüngste Veröffentlichung aus dem unabhängigen Verlagshaus Reliable Copy, welches er im Jahr 2018 mitbegründete. "Flexing Muscles" ("Muskeln zeigen") von Ravikumar Kashi erforscht das Medium, Format und den Inhalt des politischen Flex-Banners der Stadt Bangalore. Repräsentativ für die große Anzahl an Armeen, die im Staat Karnataka auftauchen, agieren diese digital produzierten Banner als kulturelle Markierungen, direkte Formen des Ausdrucks und öffentliche Bekanntmachungen. Mit den Fotografien, die der Künstler im vergangenen Jahrzehnt sammelte, verortet die Publikation diese Banner als Portrait einer sich verändernden Stadt – eine, die sich mehr und mehr an Aggression und Verwundbarkeit einstellt.

Stephanie Rothenberg

Durch Video, Skulptur und Performance hinterfragt diese Installation neue Formen der nicht-menschlichen Arbeit auf – an dem Ort, der uns früher als "natürliche Welt" bekannt war. In der nahen Zukunft werden giftige Landschaften zu Ozeanen aus Nährstoffen für Mikroben, die daraus Energie gewinnen. Diese Energie befeuert eine zukünftige Blockchain-Wirtschaft frei von menschlicher Intervention. Im Meer verbinden sich Organismen zu einem neuralen Netzwerk, das seine Gestalt in die von ihm ersehnte Form verändern kann. Mehr Energie kostet das menschliche Überleben.

Raviv Ganchrow // singuhr e.V.

Bis zum 17.11.2019 kann man in dem Keller des ZK/U die Klanginstallation "Westhafen Ground-Electric" bestaunen. Von Donnerstag bis Sonntag hat die Ausstellung ab 14 Uhr geöffnet. Zum OPENHAUS öffnet Raviv ein letztes mal die Pforten dieser Ausstellung für die Öffentlichkeit.