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Open-Form neu denken: 60er/ 70er Wohngebiete als Siedlungen für Mikrodemokratien

(c) QZ Photo, Marcin Pietrusza

Eine Kooperation zwischen dem ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik (Berlin, DE), sowie der Open Territory Foundation (Lublin, PL)

Mär 2018 - Okt 2019

Das Projekt untersucht die Wohngebiete, die in den 1960er und 1970er Jahren entworfen wurden, wobei im Fokus liegen die LSM-Siedlung in der Polnischen Stadt Lublin und die Karl-Marx-Allee (Bauabschnitt II) in Berlin. Im Rahmen der Zusammenarbeit möchten wir über die utopische Metropole nachdenken, die aus der Wohnungskrise der Nachkriegszeit wiederge-boren wurde.

In Ost-Berlin war das die Karl-Marx-Allee (die einstige Stalinallee), die als soziales und urba-nes Experiment galt, aber primär als Paradebeispiel für monumentale sozialistische Architek-tur der Nachkriegsjahre. Der Karl-Marx-Allee blieb die Gentrifizierung der letzten Dekaden fern, vielmehr funktioniert der Ort als ein lebendiges Museum. Obwohl ihre Bauobjekte teils in Privatbesitz gelangten, sind ihre Bewohner*innen immer noch die gleichen, die in den 1960er und 1970er Jahren, damals noch als junge Sozialist*innen, in die modernsten Häuser einge-zogen waren.

In der Lubliner Wohnsiedlung entwickelten sich die Areale gemeinsam mit einer starken Wohngenossenschaftsbewegung, die eine demokratische und nachhaltige Oase im repressi-ven System darstellte. Die Mehrzahl der Bewohner*innen, die am Anfang der 1960er Jahre einen Schlüssel für die neuen Wohnungen erhielten, war bereit, aktive Mitglieder der Genos-senschaft zu werden. Nach einer gewissen Zeit hat sich die genossenschaftliche Idee so-wohl hinter dem Eisernen Vorhang im östlichen Europa in der Kommandowirtschaft als auch im westlichen Europa unter den Prämissen der freien Marktwirtschaft kompromittiert. 

Das Projekt richtet sich an die Bewohner*innen dieser Wohngebiete (Berlin und Lublin), die die unterschiedliche Bildungshintergründe mitbringen sowie einen heterogenen ökonomi-schen und sozialen Status aufweisen. Wir wollen Möglichkeiten für das Prototyping  neuer horizontaler und inklusiver Modelle anhand des Beispiels der Wiederbelebung der leerste-henden Pavillons in der LSM-Wohnsiedlung und des Hauses der Statistik am Alexanderplatz erforschen.

Wir wollen verstehen, auf welche Art und Weise sich das gemeinschaftliche Wohnen von dem Wohnen in von Bauherren gebauten Privatwohnungen unterscheidet. Allgemeiner fragen wir uns, wie sich Wohnsiedlungen als soziopolitisches Projekt sowohl auf Individuen als auch auf Gesellschaften auswirken und wollen herausfinden, ob diese Orte für die Entwicklung demokratischer Lösungen und für aktuelle Herausforderungen Potential bieten . 

Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung.

Projektteam: 

Michał Fronk, Paulina Paga (Open Territory Foundation, Lublin, PL)

Matthias Einhoff, Miodrag Kuč, Olesia Vitiuk (ZK/U Berlin, DE)

Erik Schiller (Volunteer Research Assistant)

(c) QZ Photo, Marcin Pietrusza