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CTB-Lab: MO Hartera-kvARTera

Inklusive Stadtentwicklung im Rahmen der Europäische Kulturhauptstadt 2020: Rijeka

Ongoing

Einführung: CTB-Lab

Das CTB-Lab ist ein ortsspezifisches Format, welches die Werkzeuge der City Tool Box mithilfe lokaler Partner*innen in einen neuen Kontext überträgt. Ziel des CTB Lab ist es, diese Übertragbarkeit der bestehenden Werkzeuge zu testen und dabei in Koproduktion mit lokalen Akteuren komplett neue Werkzeuge zu gestalten, bei denen die örtlichen Besonderheiten berücksichtigt werden. Auf diese Weise soll die sozio-ökonomische sowie die räumliche Situation verbessert werden.

Das Format, angeboten durch die Kernmitgleider des CTB-Konsortiums, addressiert mithilfe bestehender Werkzeuge der CTB-Plattform spezifische örtliche Herausforderungen. In Zusammenarbeit mit lokalen Kulturproduzent*innen, Behörden, Aktivist*innen und Personen aus dem akademischen Umfeld entstehen außerdem gänzlich neue Tools.

Ziel ist des CTB Lab ist es, jene Herausforderungen anzugehen, die in der konventionellen urbanen Planung und Regeneration liegen geblieben sind. Grundlage dafür bildet prozessbasierte Wissenserzeugung sowie urbane Mikrointerventionen.

Thema und Methode des CTB Lab entstanden in Kokreation mit lokalen Partner*innen, die das Finden angemessener Tools erst ermöglichen. Dazu gehört auch das Vorschlagen wochenlanger Aktivitätspläne (Vorlesungen, Spaziergänge, Workshops, e.t.c.) mit einer Vielzahl an lokalen Aktuer*innen.

Das CTB Lab fungiert außerdem als kapazitätsbildendes Format für Ortsansässige und Mitgleider des CTB-Konsortiums. Die schrittweise funktionierende Logik bleibt dabei zentraler Punkt des wechselseitigen Lernprozesses, der alle relevanten Faktoren von der Suche nach dem passenden Ort wie gegebenenfalls auftretender Probleme mit Fördermitteln abdeckt.

Des Weiteren ermöglicht das CTB Lab den lokalen Aktivitäten und Akteur*innen eine größere Sichtbarkeit im internationalen Kontext und bietet Kommunikations- wie Aktionskanäle. 

Europäische Kulturhauptstadt: Rijeka 2020

Der dritte Durchlauf des CTB Lab wird von der Frage getrieben, wie groß gekennzeichnete Veranstaltungen (wie die prestigeträchtige Europäische Kulturhauptstadt) genutzt werden kann, um urbane Herausforderungen, die systematisch liegen geblieben sind oder durch riesige Unterhaltungsspektakel, kosmetische infrastrukturelle Verbesserungen und urbanem Marketing in den Schatten gestellt werden, effektiv anzugehen.

Unser primäres Ziel war es, eine vernachlässigte urbane Gegend zu finden und diese zu nutzen, um bereits existente Akteure, die in der Stadt – die vorrangig als industrielle Hafenstadt mit schwindender Bedeutung bekannt ist – aktiv sind und an diesem Ort zusammen zu führen. 

In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern lernten wir über die industrielle Pioniersgegend und einstige Grenze der geteilten Stadt: Skolijc. Durch diesen Stadtteil führt das kristallklare Wasser des Flusses Rijecina sowie zwei Straßen, Vodovodna und Ruziceva, die nur geringfügig bewohnt sind.

Die erste Herausforderung bestand darin, einen geeineten Rahmen für das Projekt zu erörtern, der sich auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und die prekäre Kulturszene konzentriert. So wurde im Konzeptrahmen von Sweet&Salt (einem der Aushängeschilder von Rijeka 2020) und in Zusammenarbeitn mit dem Goethe Institut Kroatien, Delta Lab Rijeka, sowie der lokalen NGO Urbani Separe eine hollistische Sicht auf die Schlucht des Rijecina entwickelt. Der Name: kvARTera.

 

MO Hartera – kvARTera

Dieses Mal, anstatt ein bestimmtes CTB-Tool oder eine Kombination aus diversen Werkzeugen der CityToolBox anzuwenden, entschieden wir uns dazu, ortspezifische Werkzeuge zu entwickeln, die dem lokalen Kontext, der Konstellation an Projektpartnern und vor allem auch den lokalen Herausforderungen enstammen. Aus dem Wunsch einen fiktiven Gemeinderati (Mjesni Odbor Hartera) als gedachtes "politisches Organ" für diese vernachlässigte Patchwork-Gegend zu gründen, begannen wir das sogenannte "Dictionary of the Collective Action" (Wörterbuch kollektiver Aktionen) als konzeptuelle Orientierung und als Content-Produzenten ins Leben zu rufen. Gemeinsam ergeben diese beiden Werkzeuge, die sich noch in ihrer Entstehung befinden, die Grundlage für das Projekt kvARTera.

kvARTera ist ein Gemeinschaftsentwicklungsprojekt mit dem Ziel, vielfach die Konversation über die Zukunft der post-industriellen Runinen von Hartera (einer ehemaligen Papierfabrik) und den dahinführenden Straßen zu starten. Mit der Unterstützung verschiedener formeller und informeller Aktuere Rijekas beitet das Projekt Entwicklungsszenarios, die auf der Idee der kollektiven Aktion, räumlicher Aneignung/Aktivierung und nachbarschaftlicher Solidarität bauen. 

Ausgewählte Mikro-Locations entlang des Flusses Rijecina werden konzeptuell gebündelt. Die Idee: Die Erstellung eines Wörterbuches, dessen einzelne Buchstaben die umkämpften lokalen Herausforderungen widergeben. Um diese Herausforderungen entstehen neue Bündnisse, es werden neue Fragen gestellt und Konversationen werden ins Leben gerufen. Am Ende ergibt jede Mikro-Location eine konzeptuelle oder erdachte Flagge, einen Buchstaben, einen Baum und eine örtliche Organisation, die die Location testet und aktiviert, um mögliche Szenarien der Nutzung in der Zukunft zu demonstrieren.

Außerdem strebt es das Projekt an, durch die Organisation unüblicher Formen parlamentarischer Diskussion, Wissensaustausches, Sportveranstaltungen und geführten Touren eine neue politische Kultur in Zusammenarbeit mit anderen örtlichen Gemeinderäten (MO Kozala, MO Trsat, MO Sušak, MO Školjić-Stari grad) zu entwickeln. So wird Hartera als zukünftliches soziokulturelles Zentrum positioniert.

Diese Herangehensweise ermöglicht das stetige Wachstum des Wörterbuches und des Partnernetzwerks mit dem Ziel eine kritische Anzahl der Bürger*innen bis Ende 2020 zu erreichen. Hoffentlich übernehmen diese Bürger*innen das Programm in den Jahren 2021/2022 und setzen sich für die Veränderung von Harteras Status-Quo ein.

 

Weitere Information:

www.citytoolbox.net/lab/
www.mohartera.org

Sämtliche visuelle Materialien (c) Kombinat, 2020 / Marin Nizic